Die Geschwister Scholl

Die Geschwister Scholl gehörten zu den wenigen im Dritten Reich, die den Mut aufbrachten, gegen eine scheinbar unangreifbare Macht, den Nationalsozialismus, den Kampf aufzunehmen.

gscholl_hansHans (*1918) und Sophie (*1921) Scholl, deren Leben bestimmt wurde durch Lesen, Musizieren, Sport und die Liebe zur Natur, machten zunächst begeistert bei Hitlerjugend und Bund deutscher Mädchen mit, so wie die meisten in ihrem Alter. Doch warnende Bemerkungen des Vaters und die Bevormundung in der Organisation führten besonders bei Hans eine Änderung herbei.

Mit Gleichgesinnten, die er während seines Medizinstudiums traf, gründete er „Die Weiße Rose“. Dazu zählten außer den Geschwistern Scholl:

Christoph Probst (*1919)
studierte Medizin und war der Meinung, der Nationalsozialismus sei eine „böse geistige Krankheit“. Er war jung verheiratet und hatte drei Kinder.

Alexander Schmorell (*1917)
studierte Medizin und war künstlerisch hochbegabt. Er diente der „Weißen Rose“ aus innerer Überzeugung und Aufrichtigkeit.

Willi Graf (*1918)
verabscheute die Hitlerjugend und studierte ebenfalls Medizin. Er versuchte, Mitverschworene zu gewinnen und mit ihnen ein Netz von Widerstandsgruppen aufzubauen.

Kurt Huber (*1893)
war Professor der Philosophie und Musikpsychologie in München. Er verheimlichte seine regimekritische Einstellung nicht. Alle jungen Mitglieder der Weißen Rose hörten seine Vorlesungen. Seine Erfahrung und Besonnenheit waren ein wertvoller Ausgleich gegenüber der ungestümen Begeisterung der jungen Gruppenmitglieder.

gscholl_sophieJeder Einzelne von ihnen lehnte die Unterdrückung, die Verhaftungen, die KZs und vor allem den Krieg ab. Sie wollten verteidigen, was ihnen heilig war: Freiheit, Nächstenliebe, Vernunft, Denken, Freude am Dasein und Glaube an Gott.

Im Frühsommer 1942 erschienen die ersten Flugblätter. Die Biologie- und Philosophiestundentin Sophie war begeistert, bis sie erfuhr, dass Hans damit zu tun hatte. Trotz Angst um ihren Bruder bat sie ihn mitmachen zu dürfen.

Im Sommer ’42 mussten die Freunde zum Fronteinsatz nach Russland; erst im Herbst trat die „Weiße Rose“ voll in Aktion. In einem Hinterhaus in der Nähe der Wohnung von Hans und Sophie Scholl vervielfältigten sie Flugblätter, in denen sie zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus aufriefen. In ihnen geht es um die Lügen der Propaganda, den Massenmord an polnischen Juden, die Mitschuld jedes Einzelnen, später um die Unmöglichkeit den Krieg zu gewinnen. Sie riefen zu passivem Widerstand und Sabotage auf.

Die Flugblätter wurden heimlich bei Nacht verteilt, mit der Post verschickt, mit der Bahn in andere Städte gebracht. Die Postadressen wurden willkürlich Adressbüchern entnommen und nirgendwo schriftlich hinterlegt, um die Empfänger nicht zu gefährden.

Im Februar 1943 schrieb die Gruppe in drei nächtlichen Aktionen Parolen wie „Nieder mit Hitler“, „Freiheit“, und „Hitler, der Massenmörder“ mit schwarzer Teerfarbe an Hauswände der Innenstadt von München.

Am 18.2.43 führte unvorsichtigesgscholl_hans_sophie Auslegen der Flugblätter (6. Flugblatt) in der Universität zur Verhaftung von Hans und Sophie Scholl. Am nächsten Tag fiel auch Christoph Probst in die Hände der Gestapo. Nach einem mehrtägigen Verhör fand am 22.2.1943 in München unter Vorsitz des berüchtigten Präsidenten des Volksgerichtshofs, Roland Freisler, der Prozess statt. Alle drei wurden zum Tode verurteilt und am selben Nachmittag durch das Fallbeil hingerichtet. Kurze Zeit darauf wurden auch die anderen drei Mitglieder der Weißen Rose verhaftet und hingerichtet.

Der Wirkungskreis der Weißen Rose ging über München hinaus. Die Gruppe hatte Anhänger in Saarbrücken, Freiburg, Hamburg, Berlin und Köln. In Süddeutschland wurden 80, im Hamburger Bereich 50 Menschen, die mit der Weißen Rose in Verbindung gebracht wurden, festgenommen und zu Gefängnisstrafen bis zu fünf Jahren verurteilt. In Hamburg fanden acht weitere Menschen den Tod.

Das 6. Flugblatt wurde nach England geschmuggelt, dort kopiert und von britischen Bombern über Deutschland abgeworfen.

Quelle: http://www.mannheimer-schulen.de/gsg/gscholl.htm